MUSH
Erscheinungsbild
Ein MUSH (Multi-User Shared Hallucination) ist im Kern ein gemeinsames, textbasiertes Erzählen mehrerer Personen: Jede*r Spieler*in übernimmt einen Charakter und beschreibt aus dessen Sicht, was dieser tut, denkt und sagt. Das Ergebnis ist eine Art „gemeinsam geschriebener Roman", in dem niemand den Ausgang der Geschichte allein bestimmt – er entsteht aus dem Zusammenspiel.
Bei uns läuft das über das Wiki (für World-building, Dokumentation und Charaktere) und Discord (für die eigentlichen Szenen und Absprachen). Die Grundprinzipien bleiben aber gleich.
Das Grundprinzip: Szenen schreiben
- Gespielt wird in Szenen: abgeschlossene Erzähleinheiten mit Ort, Zeit und Beteiligten (z. B. „Küche der Bohrinsel, 22 Uhr, Onno & Helge").
- Eine Szene beginnt damit, dass jemand die Situation eröffnet: Wer ist anwesend, wo befindet man sich, was passiert gerade?
- Dann wechseln sich die Beteiligten mit ihren Beiträgen („Poses") ab. Jede*r beschreibt, was sein*ihr Charakter tut, sagt, denkt und empfindet.
- Eine Szene endet, wenn die Situation abgeschlossen ist – entweder einvernehmlich („Fade to Black") oder wenn ein natürlicher Schlusspunkt erreicht ist.
- Abgeschlossene Szenen werden in Discord mit einem kleinen Häkchen gekennzeichnet. Die Spieler können aber weiterhin nachlesen was passiert ist.
Eine Person, ein Charakter
- Jede*r Spieler*in hat in der Regel einen Hauptcharakter (PC – Player Character), den sie dauerhaft spielt und weiterentwickelt.
- Du schreibst nur aus der Sicht deines eigenen Charakters. Was in den Köpfen der anderen vorgeht, entscheidest du nicht.
- Gedanken und Gefühle des eigenen Charakters darfst du beschreiben – das ist sogar erwünscht, denn nur so erfahren andere, was dein Charakter bewegt (auch wenn er es im Dialog nie aussprechen würde).
Die dritte Person
- Geschrieben wird in der dritten Person („Alex öffnet die Tür und zögert."), meist im Präsens oder Präteritum – wichtig ist nur, dass alle in einer Szene dieselbe Zeitform verwenden.
- Ausnahme: Dialoge. Gesprochene Texte stehen in wörtlicher Rede und ich-Form: „Ich wusste nicht, dass du hier bist", sagt Alex.
- Nicht-metaisiert: Beschreibe, was beobachtbar ist, wenn andere reagieren sollen. Innere Monologe sind erlaubt, aber das sichtbare Handeln ist das, worauf andere aufbauen können.
NPCs – Nebenfiguren spielen
- NPCs (Non-Player Characters) sind alle Figuren, die keinem Spieler fest „gehören": Barkeeper, Passanten, Kollegen, Gegner.
- NPCs kann jede*r spielen, der sie braucht – im Gegensatz zum eigenen Charakter gelten sie als „gemeinsames Eigentum".
- Wichtig: NPCs dazu benutzen, die Szene zu bereichern (Informationen liefern, Konflikte erzeugen, Atmosphäre schaffen) – nicht dazu, dem eigenen PC Vorteile zu verschaffen oder die Handlung in eine bestimmte Richtung zu zwingen.
- Ein NPC, der öfter auftaucht oder wichtig wird, kann im Wiki einen eigenen (kurzen) Eintrag bekommen, damit die Darstellung konsistent bleibt.
Poses: Was ein guter Beitrag ausmacht
Eine „Pose" ist ein einzelner Szene-Beitrag. Gute Poses …
- Reagieren auf das, was vorher geschah. Ignoriere niemals den Beitrag einer anderen Person.
- Beschreiben, was der eigene Charakter tut und sagt – nicht, was dabei herauskommt. Wie andere darauf reagieren, entscheiden sie selbst.
- Lassen dem Gegenüber Spielraum. Formuliere offen statt deterministisch: „Alex wirft ihm einen Blick zu, der fragen will: Ernsthaft?" statt „Alex überzeugt ihn mit einem Blick."
- Dürfen ruhig auch still sein. Ein Blick, ein Zögern, eine Geste kann mehr erzählen als ein Monolog.
- Passen zur Länge der anderen. Extrem lange Monologe drängen die Szene; Einzeiler wirken schnell beliebig. In der Regel: ein bis drei kurze Absätze.
Was man NICHT tut
- Kein God-Moding: Du entscheidest nicht über Handlungen, Gedanken, Gefühle oder den Erfolg der Handlungen anderer Charaktere. Auch keine NPCs „erzwingen", die einem eigenen Charakter gegen die Intention der Gruppe nützen.
- Kein Meta-Gaming: Wissen, das nur die Spielerin hat (aus anderen Szenen, OOC-Gesprächen, Wiki-Einträgen), darf der Charakter nicht verwenden, wenn er im Spiel davon nichts wissen kann.
- Keine Handlung überspringen: Wenn etwas Wichtiges geschieht, werden alle Beteiligten aufgefordert zu reagieren, bevor die Szene weitergeht.
- Kein Überstürzen: Bedeutende Entwicklungen (Beziehungen, Konflikteskalation, Verletzungen) ergeben sich aus dem Spiel – man erzwingt sie nicht im Vorbeigehen.
OOC: Absprachen außerhalb des Spiels
- OOC (Out of Character) ist alles, was Spieler*innen sich außerhalb ihrer Rollen sagen – bei uns vor allem in Discord. IC (In Character) ist das eigentliche Spiel.
- Vor einer Szene kurz absprechen: Wer nimmt teil? Wo und wann spielt sie? Was ist das Ziel oder die grobe Richtung? Muss etwas passiert sein, das bestimmte Figuren wissen?
- Bei Uneinigkeit oder Unbehagen: OOC ansprechen statt IC eskalieren. Ein kurzes „Können wir die Szene anders drehen?" löst mehr als ein Streit zwischen Charakteren, den niemand wollte.
- Zwischen den Szenen kann man Handlungsfäden planen („Ich hätte gern eine Szene, in der meine Figur von der Ereignis-Familie erfährt") – oder die Szene einfach laufen lassen und schauen, was passiert.
Zeit, Kontinuität und das Wiki
- Szenen können in beliebiger Reihenfolge und Parallelität laufen (auch im Rückblick oder mit Zeitsprüngen), solange klar ist, wann sie spielen.
- Damit nichts verloren geht oder sich widerspricht, werden Szenen (bzw. ihre Zusammenfassungen) im Wiki dokumentiert – mit Beteiligten, Datum/Zeit im Spiel und Ort.
- Das Wiki ist zugleich Nachschlagewerk: Charaktersteckbriefe, Beziehungen, Ereignisse, Orte. Wer eine neue Szene schreibt, schaut kurz nach, was der eigene Charakter zuletzt erlebt hat.
Kurzform: Der Spielablauf
- Absprechen (OOC, Discord): Szene vorschlagen – Ort, Zeit, Beteiligte, grobe Idee.
- Eröffnen: Eine Person startet die Szene und setzt die Szenerie.
- Abwechselnd posen: Jede*r schreibt in der dritten Person, was der eigene Charakter tut und sagt, und reagiert auf die anderen.
- Spielraum lassen: Wie andere reagieren, entscheiden sie selbst – keine Fremdsteuerung.
- Abschließen: Szene einvernehmlich beenden (oder ausblenden) und im Wiki festhalten.